April5
Hallo Liebe Leser!
Ich wünsche euch allen fröhlich Ostertage!
Wie ihr euch sicher denken könnt, war mein Ostereiersuche hier leider vergeblich, es sieht alles so aus wie immer (ähnlich Weihnachten). Trotzdem wird natürlich viel in die Kirche gegangen, und es gab immerhin 2 Tage frei!
Da sich sonst auch nichts geändert hat, stelle ich jetzt einfach mal meinen Halbjahresbericht (für meine Organisation) mit ein paar -never before seen- Fotos rein. Vielleicht gibts bald wieder etwas zu berichten, ich plane einen Trip nac Ruanda, mal sehen wer sich dafür noch so findet.
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FSJ Zwischenbericht
Seit 7 Monaten befinde ich mich hier in Uganda und es hat sich sogar ein klarer „Alltag“ eingestellt. Diesen Bericht schreibe ich gerade aus dem Danish Cafe, einem beliebten Zufluchtsort der Muzungus (Weißen) hier in Masaka. Ausgestattet mit W-Lan und europäischem Essen sitzen sie hier alle, versteckt hinter ihren Laptops neben einer Platte Chips. Man kennt sich, viele arbeiten in den verschiedenen Entwicklungs-NGOs in der Gegend, wenige bleiben über 2 Monate hinaus.
St. Josephs Day Celebrations

St. Josephs Day Celebrations

So gehöre ich als Zivi unter den „Hardcore“ Freiwilligen, mit ihren 24 Monaten übertreffen mich nur die amerikanischen Peace-Corps Volunteers.
Angefangen hat das ganze Abenteuer mit den Vorbereitungsseminaren vom ICJA in Deutschland. Für mein letztes Seminar wurde ich von Osterholz-Scharmbeck (Nähe Bremen) bis nach Lenzkirch-Kappel im südlichsten Süden Deutschlands geschickt, eine ganze Tagesreise mit der schön pünktlichen Bahn. Dort war die Stimmung allerdings super, wir waren knapp 40 Jungs und 1 Mädchen, aber das war kein Problem. Die Workshops waren umfassend und informativ. Davon abgesehen dass wir natürlich keine wirklich konkreten Hinweise auf unser spezifisches Gastland bekommen konnten, haben die bearbeiteten Themen und Gruppenspiele dort wirklichen Spaß gemacht, man hat viel für sich mitgenommen und auch das bei allen ICJA-Seminaren geltende Fleischverbot konnten wir durch ein abschließendes Grillen ertragen. Das Team bestand aus vielen ehemaligen Volunteers, die Stimmung war locker zwischen Teilies und Teamern und das Rentnerparadies Lenzkirch durch eine Internetverbindung im Haus eine gute Wahl.
So verließ ich Deutschland also bestens vorbereitet und mit vielen Erwartungen für das Jahr. Zwar habe ich bereits in dem wirklich informativen Uganda-Ordner auf dem Seminar gelesen, dass ehemalige Freiwillige mit der Partnerorganisation in Uganda einige Probleme hatten, aber da mein Projektwunsch (Kitovu Hospital) bereits von ihnen berücksichtigt wurde, war alles halb so wild.
Die zwei anderen Deutschen (sind noch eine Woche da)

Die Erwartungen an meinen bevorstehenden Dienst waren nicht überheblich, ich wusste schon vorher dass ich in dem Jahr nicht die Welt retten würde, sondern höchstwahrscheinlich viel für mich selbst mitnehmen kann, viel über die so unbekannte Kultur lernen und vielleicht sogar meine eigene ein wenig vermitteln könne.
Bereits auf meinem Flug nach Entebbe via Dubai traf ich eine Ugandische Familie, welche mir bereits einige „Insider-Infos“ geben konnte und mich im Anschluss sogleich auf eine Hochzeit eingeladen hat. Bereits ein angenehmer Vorgeschmack der zu erwartenden Gastfreundschaft, ich war begeistert!
Am (verglichen zu Dubai wesentlich kleinerem) Flughafen in Entebbe klappte die Abholung durch die Partnerorganisation (UVP) reibungslos, ich traf bereits auf die zwei anderen deutschen Freiwilligen.
Mutter mit Baby (wenn sie geboren werden, sind sie noch leicht weiß)

Unser einwöchiges Einführungscamp fand in Entebbe statt, genau an dem Victoriasee. Wir hatten ein wenig Lugada-Unterricht (leider nicht sehr wirkungsvoll), haben eine interessante Geschichte (und Vortragsart) von Uganda kennengelernt und viel afrikanisches Essen gegessen. Insgesamt eine sehr schöne Art, im unbekannten Land willkommen zu werden. Wir Freiwilligen konnten uns untereinander austauschen und lernten Gleichgesinnte kennen, die bereits 6 Monate hinter sich hatten. Allgemein wurde der drohende „Kulturschock“ durch diese Woche sehr gut überwunden, Kompliment an UVP!
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In meinem Projekt in Masaka (3std. von Hauptstadt Kampala entfernt) wurde ich leider nicht so gut empfangen, ich bekam ein Haus zugewiesen (lebe nicht in einer Hostfam.) und dann so ziemlich für den Rest der nächsten Woche alleingelassen. Nach 2 Tagen rumsitzen beschloss ich die Initiative zu ergreifen, und bat einen Krankenhaus-Angestellten mich herumzuzeigen und vorzustellen. Dabei traf ich auch zwei irische Ärzte, die für die nächsten 3 Monate in Kitovu arbeiten würden. Wir verstanden uns auf Anhieb gut, und ich beschloss die nächste Zeit mit ihnen herumzulaufen und zu versuchen, ihnen zu helfen. Der eigentliche Plan von ICYE, dass es einen Mentor in jedem Projekt geben soll, der einen einführt und herumzeigt ging leider nicht auf („Mentor“ war im Urlaub, kam dann nach 3 Monaten). Ich war jedoch darauf vorbereitet, ein wenig Eigeninitiative zu zeigen und so war es eigentlich kein großes Problem.
“Uncle Bob gave me a mobile phone…”

So erlebte ich einige spannende erste Monate im Krankenhaus, ich durfte mit in jede Station, sogar in die Chirurgie, und habe die spannendsten Fälle gesehen.
Kinder und Mütter der Nutrition Unit

Natürlich muss man sich hier bewusst werden, dass ein Krankenhaus in Uganda denen in Deutschland überhaupt nicht ähnelt. Die Konditionen, in denen die Patienten hier sind (die meisten sehen ein Krankenhaus (teuer) als letzte Möglichkeit), die Ausstattung, das Personal und und und.
Kinder und Mütter der Nutrition Unit

Wo ein deutscher Arzt bei den Verhältnissen auf den ersten Blick wahrscheinlich zusammenbrechen würde, bleiben die Ugander erstaunlich locker und lebensfroh. Es herrscht hier wirklich eine komplett andere Mentalität, es ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Oft wird man angelächelt, viele wollen mit einem ins Gespräch kommen, sich untereinander Austauschen oder einfach nur über das Wetter reden. Geklagt über die Lebensumstände wird nicht, man nimmt es wie es kommt, hakuna matata.
Mutter mit Kind

Ich war leider bis jetzt der erste Freiwillige von UVP in diesem Projekt, deshalb konnte mir leider nicht so viel geholfen werden, wenn es z.B. um das Problem Beschäftigung ging. Arbeit musste ich mir hier selbst suchen. So bewarb ich mich bei der Outreach-Organsation des KHs, Kitovu Mobile. Sie fahren in die kleinen Dörfer und behandeln die HIV-Patienten, die zu wenig Geld für Behandlung oder Medikamente haben. Dort durfte ich dann für 3-4 Monate mitfahren und die kostenlosen Medikamente austeilen. Danach zog es mich wieder zurück ins Krankenhaus (wo ich immer noch gelebt habe), und seitdem arbeite ich hier im Labor des KHs. Ich habe mir diesen Bereich gewählt, weil ich dort am meisten machen kann. Die Mitarbeiter sind total nett, haben mir alles beigebracht und freuen sich immer, wenn ich mit ihnen zusammen arbeite. Dort kann ich nun die Malaria-Verdächte überprüfen, viele andere Tests machen und die Sprechstunden Patienten behandeln.
Der Muzungu mit Asmus im Lab.

Davon abgesehen, dass ich noch keine professionelle Ausbildung/Studium absolviert habe (frisch vom ABI) und daher auch keine speziellen Fähigkeiten mitbringen konnte, habe ich jetzt doch eine Arbeit hier gefunden, in der ich ziemlich viel machen kann und mich fühle, als hätte ich etwas erreicht, ein wenig mit beigetragen.
Schwein von der Farm, ein Projekt des Krankenhauses

Zu der Partnerorganisation gibt es leider viel Negatives in letzter Zeit zu berichten, da das Mid-Term Seminar von UVP ein ziemliches Desaster war. Wir waren in dem billigsten Hotel untergebracht, es hab so gut wie kein Programm und auf unsere Kritikpunkte wurde gar nicht eingegangen. Vor allem die Weltwärts-Leute haben sich beschwert, wo das ganze vom Bund bereitgestelle Geld für die Projekte und Seminare bleiben würde. Anscheinend kommt von diesem Geld nichts in den Projekten an (habe sie selbst einmal besucht), es scheint irgendwo in der Mitte zu verschwinden/hängenzubleiben. Als die Weltwärts‘ler dann die Budget-Liste vorgelegt haben, auf der die Verwendung der Fördergelder zu sehen war, hat UVP nicht wirklich Stellung bezogen oder gar versucht, die Situation zu erklären. Auch bei den Visa-Vergaben gab es (jetzt nach 6 Monaten) immer noch Verspätungen.
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Schade, denn genau diese Probleme sind bereits in ehemaligen Erfahrungsberichten zu nachzulesen. Das gibt wenig Hoffnung auf eine Besserung in Zukunft. Deshalb werde ich an euch Zukünftige die Empfehlung weitergeben, erwartet nichts von dem Gastkomitee, dann könnt ihr auch nicht enttäuscht werden.
Damit bin ich auch schon am Ende des Berichts angekommen. Uganda ist wirklich ein superschönes Land, die Landschaft hier ist einzigartig, alles ist grün, die Menschen sind alle freundlich und neugierig, die Gastfreundschaft ist unvergleichbar.
In dem Sinne, viel Spaß an euch, es erwartet euch eines der spannendsten Jahre eures Lebens!
-Leon