Bienvenue aux Pays des Milles Collines
Und Willkommen im Land der tausend Hügel!
Jetzt ist er also hinter mit, mein lang erwarteter Ruanda Trip. Am Freitag gings los, zusammen mit einem anderen Freiwilligen hier aus Masaka haben wir die 10-stündige Busfahrt in Angriff genommen. Es lief alles ohne nennenswerte Vorfälle, bis wir am Grenzübergang dann regelrecht überfallen wurden von „Händlern“, die einem den geliebten Uganda-Schilling in den unbekannten Rwanda-Franc wechseln wollten. Wir wussten beide nicht den gängigen Kurs, worauf die netten Herren natürlich spekulierten. Nach einigen Taschenrechner-Tricks hielten wir dann unsere ersten Francs in der Hand, elegant übers Ohr gehauen. Zum Glück wars nur ein wenig Geld.
Weiter gehts, in Richtung Hauptstadt Kigali, unser Ziel für die nächsten drei Nächte.
Die Landschaft war wirklich zum Staunen, sobald man Ruanda betreten hat geht vor einem die unendlich weite Hügellandschaft auf.
Sofort viel uns neben der unerhöhrt guten Straßenqualität eine weitere Veränderung zu Uganda auf, nach ~30 min kam dann die Erkenntnis, dass in Ruanda wohl auf der rechten Seite gefahren wird (Uganda=ehem. Britische Kolonie –> Linksverkehr). Man fühlte sich richtig heimisch.
In Kigali angekommen dann die nächste Überraschung, alles war sauber und geordnet, die Bodas nahmen nur einen Passagier mit und reagieren auf die Albinos nicht mit der gewohnten Preisverdoppelung, Helmpflicht war angesagt.
Wir also am staunen, es sah richtig „westlich“ aus, verglichen zum Moloch Kampala. Die Leute waren auch eher zurückhaltend uns gegenüber, kein Muzungu-ähnlicher Ruf schallte uns entgegen, wie man es so aus Uganda kennt (mindestens 10x/Tag)
Ein Hotel (Hotel Okapi) war schnell gefunden, Balkon mit Aussicht auf mindestens 6 der 1000 netten Hügel.
Am ersten Abend ging es in eine Pizzeria, wo wir dann feststellen konnten, dass sich neben den Straßen und der Sauberkeit auch die Preise Richtung „Westen“ bewegten. Man fühlte sich wie in einem Urlaub.
Am ersten Tag dann stand wie bei allen Besuchern das „Genocide Memorial“ ganz oben. Ein wirklich gutes Museum, welches sich mit den schrecklichen Ereignissen von `94 befasst.
Man erfährt so viel man kann über die Hintergründe und es gibt viele Erklärungsansätze. In manchen Räumen fühlte ich mich so wie beim Besuch vom KZ Ausschwitz, Räume sind voll mit Fotos der Opfer, Kleidung und sonstigen Habseligkeiten. Ich fühlte mich nach einiger Zeit erdrückt von all den schrecklichen Bildern, Videos und aufgebarten Knochen, fassungslos wie so etwas in „unserer“ Zeit passieren konnte, wie ein ganzes Volk sich gegeneinander wendet und 800.000 Menschen innerhalb ein paar Monaten auf so brutale Weise umkommen. Es gab viele Interviews mit Opfern und Betroffenen, eine sagte “5% of the people were neutral, 5% were helpful and the rest was just evil” [den Mututsis gegenüber]. Fotografie war nicht erlaubt, deshalb nur Bildern von außen, sowie den Gärten der Anlage, wo bis zu 250.000 Opfer nun in den Gräbern bestattet wurden.
…untergebracht in der Gartenanlage des Memorials
Genug für einen Tag, es ging wieder zurück ins Hotel. Am Sonntag war nicht viel los, wir ließen den Abend im durch den Film „Hotel Ruanda“ so berühmt gewordenen Hôtel de Mille Collines ausklingen. Hier war alles wieder business-as-usual, nichts erinnerte an die Ereignisse vor knapp 16 Jahren. Ein wirklich schönes Hotel, sehr ruhig und luxuriös. Viele Touristen und auch Einheimische zu Gast.
Früh morgens dann wieder zurück nach Masaka, ich fühlte mich etwas krank, wobei der altersschwache Bus (mit sehr großzügigen Stoßdämpfern) mit seinem Geschwanke nicht wirklich zur Besserung beitrug. Als es wirklich schlimm wurde, beschloss ich den Bus (und mein vorausbezahltes Geld) an der Grenze ziehen zu lassen und auf die Besserung zu warten. Am Ende döste/schlief ich ca. 2 Stunden auf Ruandas Grenzseite im Immigration-Office, konnte dann aber frisch erholt den nächsten Bus (und er mein Geld) in Angriff nehmen.
Raus aus dem Bus in Masaka, sofort gings los:
[Bodas] Muzungu Muzungu Muzungu, where to?? You sit here!!
[Ich]: Kitovu Hospital
(normaler Preis 1000-1500USH)
[Bodas] (überlegen, gucken mich an): Mmmh.. 5000!
Jap, ich bin wieder zu Hause!
Ein wirklich toller Trip, hätte nicht gedacht dass dieses kleine sympathische Land so unterschiedlich sein könnte. Es war wie ein Urlaub für mich, auf der „Zielgeraden“ meines FSJ-Jahres.
Es ist für mich wirklich bemerkenswert, wie sich Ruanda so schnell von dieser Katastrophe erholt hat und wieder mehr als nur auf die Füße gekommen ist. Ziel des Präsidenten Paul Kagame ist es, Stammeszugehörigkeiten wie Hutu oder Tutsi zu ignorieren, die ganze Bevölkerung soll sich zusammengehörend als Ruander fühlen. Er scheint ein sehr guter Präsident zu sein, genießt eine sehr hohe Anerkennung in Ruanda.
Verglichen mit Uganda wird Ruanda hier und wohl allgemein in Ost-Afrika als Vorbild angesehen. Woran dieser schnelle Fortschritt liegt kann ich nicht sagen, gerade verglichen mit Uganda, welches seit `86 politische Stabilität genießt und verglichen mit dem kleinen Nachbar eine schlechte Figur macht. Manche nennen Präsident Kagame als Grund, andere sehen die enorme Entwicklungshilfe der sich schuldig fühlenden Weltgemeinschaft, welche Ruanda in seiner dunkelsten Stunde allein gelassen hat, als Grund.
So oder so, es war ein lohnender Ausflug und neben dem Ruanda-Stempel im Reisepass eine sehr schöne Erinnerung an Afrika. Lasst euch nicht von der Assoziation mit der Vergangenheit abschrecken, Rwanda verdient so viel mehr als das!
Hallo Leon,
das war ja ein sehr eindrucksvoller Trip, ich hätte mir Ruanda niemals so westlich vorgestellt, fast wirkt es wie die Provence…(Ulf:”Ich erhebe Einspruch: es wird niemals in der Provence ein solches Klima herrschen! …außerdem werde ich dort voraussichtlich nie sein… im Ggs. zur Provence, in der ich beinahe schon zum lebenden Inventar gehöre. – Aber, die Gegend sieht wirklich schön aus!”)
Genieße deine letzten Wochen, wenn du kommst, ist hier auch Sommer (U: “Da bin ich nicht so sicher!”), er fängt gerade an.
Hach, so schön! Da möchte ich auch glatt Urlaub in Ruanda machen!
Hey, so hatte ich mir Ruanda auch nicht vorgestellt. Die Hügellandschaft sieht wirklich schön aus, ein bisschen wie in Honduras. Toll dass es noch geklappt hat mit dem Trip.
Genieß noch deine letzten Wochen, allzu lange dauerts ja nicht mehr bis die finale Reise ansteht..!
Hallo Leon, interressant, daß Du als “Nachgeborener” heute das (friedliche ???) Ruanda kennen lernst; 94 erlebte Melanie hinter der Grenze in Burundi in ihrem Projekt den Schlachtausbruch u.hätte Dir sicherlich noch manches dazu zu erzählen (per Feldtelefon Amerikaner gerufen, so in meiner Erinnerung ?!? ).- Die Schlachtenbilder im Fernsehen ( mit Macheten Köpfe , Arme u.a. abgehauen reihenweise auf den Feldwegen )- vergißt man nicht. Ruanda galt-gilt als die “Schweiz Afrikas”, so schön. – Hoffentlich ist Dein Unwohlsein gut ausgestanden !!!!
Nun noch gute Zeit dort unten und gute Heimkehr.Lieben Gruß D.OM
Hi, über diesen Bericht haben wir uns wieder sehr gefreut, du machst es ja wirklich spannend. Dabei gelingt es dir sehr gut, Eindrücke und Gedanken rüber zu bringen, das berührt. Schön, dass du auch diese Erfahrungen machen konntest. Ja, genieße die letzten Wochen bei hoffentlich Super-Fussbal-WM-Stimmung…
Ein wirklich interessanter Bericht und mal wieder sehr schöne Photos.